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Wie aus Marinus San Marino wurde

[caption id="attachment_743" align="alignnone" width="540" caption="San Marino - Brunnen von 1962 mit Inschrift "Libertas""][/caption]

 

Eigentlich suchte er nur nach Arbeit. Marinus war Steinmetz und stammte von der kroatischen Insel Rab. Als er hörte, dass in dem aufstrebenden Rimini an der italienischen Adriaküste Bauarbeiter gesucht wurden, ging er dort hin, um Arbeit zu finden. An Arbeit mangelte es nicht und er konnte sich sogar in seinem Beruf als Steinmetz verdingen. Aber da gab es ein anderes Problem. Marinus war Christ, Christen hatten ihren alleinigen Gott und so waren folgerichtig die Götter der Römer für sie Götzen. Diese Sicht der Dinge war für Christen nicht ungefährlich.

Zur der Zeit, als sich zu Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr. Marinus in Rimini als Steinmetz einrichtete, war Kaiser Diokletian damit beschäftigt, sein Machtgefüge mit Hilfe der von ihm installierten Tetrarchie auf neue Fundamente zu stellen; vier Kaiser, mit ihm als "Oberkaiser" sollten die Geschicke des römischen Reiches leiten. Für Diokletian war Jupiter Schutzgott seiner Tetrarchie, für die Christen war die Tetrarchie folglich ein Götzengebilde. Bevor die Christen eine Bedrohung für die Tetrarchie des Diokletian werden konnten, wurde Diokletian zu einer Bedrohung für die Christen. Er verkündete im Jahre 303 sein Verfolgungsedikt gegen die Christen und leitete damit die letzte und brutalste Welle der römischen Christenverfolgung ein.

Der Steinmetzt Marinus bei der Arbeit

Marinus war zu diesem Zeitpunkt bereits rechtzeitig in eine wilde, zerklüftete Bergregion geflüchtet und richtete sich dort ein Leben als Einsiedler ein; zu unsicher waren ihm die Zeiten als ein Christ inmitten der Gesellschaft. Der aus Kalkstein bestehende 756 Meter hohe Monte Titano, auf den er sich zurückgezogen hatte, gehört zum Apennin und fällt nach Osten hin steil ab. Der Berg in der Wildnis war ein ideales Versteck für Leute wie ihn, so gesellten sich bald weitere Verfolgte zu ihm und es entstand eine erste christliche Gemeinschaft auf dem Berg.

[caption id="attachment_757" align="alignright" width="150" caption="Freiheitsstatue auf dem Platz der Freiheit"][/caption]

Trotz aller Anstrengungen der Römer, der Christen während der letzten großen Verfolgung habhaft zu werden, war dieses Unterfangen zum Scheitern verurteilt. Es gab inzwischen zu viele Menschen mit christlichem Glauben. Vielleicht ließe sich ja unter diesen neuen Umständen mit ihrer Duldung mehr politisches Kapital schlagen als durch ihre Verfolgung. Bereits wenige Jahre nach der Flucht des Marinus erließ so der Nachfolger Diokletians, Galerius, ein Toleranzedikt, welches die Christenverfolgung beendete. Marinus wurde von seinem Bischof zum Diakon ernannt, eine konvertierte römische Patrizierin schenkte ihm den Titano und nach dem Tod des Marinus entstand hier die Republik San Marino, deren Namensgeber er wurde.

...

Aus San Marino wurde die heute älteste Republik der Welt, ein kleiner Staat zwar, aber nichtsdestotrotz wehrhaft und jederzeit entschlossen, seine Autonomie zu bewahren und in Freiheit zu leben.

 

SPW00031, PA0116

 

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