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Veröffentlicht von pscheitler

Empfang eines französischen Gesandten in Venedig Gemälde von Giovanni Antonio Canal, etwa 1740

 

Der Dogenpalast mit seinen kunstvoll verzierten Fassaden bildet das Zentrum Venedigs. Nähert man sich der Lagunenstadt auf dem Wasser, zeigt sich Venedig mit ihm, zusammen mit der weltberühmten Kirche San Marco und dem Campanile, gleich in seiner vollen Pracht. Die Wirkung dieses Eindrucks ist immerhin so stark, dass dieses einzigartige Ensemble immer wieder gemalt und täglich vieltausendfach fotografiert wird.

Seit rund 200 Jahren prophezeit man der "citta di Venezia" ihren Untergang, und dennoch bezaubert die Lagunenmetropole bis heute und präsentiert sich nach wie vor als eine der zauberhaftesten Städte der Welt. Sie verdankt ihren Glanz einer rund tausend Jahre langen Sonderrolle zwischen Land und Meer, Kaiser und Papst, Abend- und Morgenland. In diese Polaritäten eingespannt bildet der Dogenpalast den sichtbaren Ausdruck der Macht- und Prunkfülle der Stadt; Venedig war immer eine reiche Stadt, und man hat es zu keiner Zeit versäumt, diesen Reichtum auch zur Schau zur stellen.

Die erste Siedlung entstand, als Gruppen von Venetern ab dem 5. Jahrhundert vor den heranrückenden Germanenstämmen in die Lagunen flohen. Dass sich daraus eine der bedeutendsten Seerepubliken mit zahlreichen Kolonien entwickeln sollte, ahnte damals noch niemand. Auf dem seichten Lagunenboden wurden erste Fundamente der Stadt gesetzt; das Wasser wurde zum Lebenselixier dieser Stadt, die sich rasch ihren Einfluss im Europa des Mittelalters sicherte. Die politische Macht lag zunächst in den Händen des Dogen, der im Range eines Herzogs regierte. Erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts übernahm Venedigs Patriziat die Macht und gründeten einen aus rund 1300 Mitgliedern bestehenden Großen Rat. Danach waren die Dogen nur noch Repräsentationsfiguren. Wohn- und Amtssitz war der Dogenpalast, er wurde für die Dogen zusehends zu einem goldenen Käfig, kombiniert mit Amtsstuben, reich ausgestatteten, repräsentativen Sälen, Waffenkammern und Gefängnissen.

Die beiden Hauptfassaden dieses Prachtbaues blicken auf die Lagune und die Piazzetta. Sie bilden dabei eine Kante, die an den Bug eines stolzen Schiffes denken lässt. Tatsächlich waren auch Schiffbauer an der Konstruktion des Bauwerkes beteiligt. Am selben Standort hatte schon um 800 die erste Dogenresidenz in Gestalt einer Wasserburg gestanden. Mit dem Aufstieg Venedigs wurde der Dogensitz in einen Schlossbau verwandelt. Um 1340 begann man unweit der späteren Seufzerbrücke mit den heutigen Fassaden und ihren Arkadenreihen, dem sich Schritt für Schritt der weitere Ausbau anschloss. In seiner imposanten Erscheinung verkörpert der Palazzo Ducale bis hinein in die Neuzeit die triumphale Architektur eines scheinbar glücklichen Venedig.

Heute ist aus dem Dogenpalast ein Museum geworden. Es bietet reichlich Gelegenheit, nicht nur die Architektur des Palastes, sondern auch die Geschichte Venedigs und den Prunk seiner ehemals Mächtigen reichlich zu bewundern.

 

SPW00017, ES0052

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