Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog

Veröffentlicht von pscheitler

Auf der Fahrt vom Wave Rock in der Nähe des Ortes Hyden in Richtung Perth erreicht man nach etwa eineinhalb Stunden den kleinen Ort Corrigin. Etwa 5 km außerhalb des Ortes an der staubigen Straße des Brookton Highway steht eine überdimensionierte Hundestatue am Straßenrand, mitten in Australiens Wüste. Das macht neugierig. Ich halte an, um zu sehen, was es mit dieser Hundestatue auf sich hat.

In der Einöde des australischen Weizengürtels findet man sich unvermittelt in einem Hundefriedhof wieder. Zahlreiche pompöse Gräber erwecken in mir den Eindruck, als hätten Australiens Einwohner ein besonders inniges Verhältnis zu ihren Vierbeinern. Solche pompöse Grabmäler für Hunde sind mir sonst noch nirgends begegnet, und manch ein Zeitgenosse der menschlichen Spezies wird weniger pompös beerdigt als die Vierbeiner dortzulande. Ich frage mich, was der Grund für das Entstehen dieser Hundegrabstätten an diesem einsamen Ort wohl sein möge.

Nun ist es in der Tat so, dass Australier ein besonders inniges Verhältnis zu ihren Vierbeinern haben. Zu einem australischen Mann gehört sein Hund und wo der Mann ist, ist auch sein Hund! Bei der Arbeit, in der Stammkneipe, beim Sport, der beste Freund des Mannes darf niemals fehlen. Meist trifft man die beiden auf der Straße, den Mann mit seinem Brückenwagen und auf der Ladefläche sein Hund. Man findet diese innige Bindung zwischen Mensch und Hund wohl am ehesten im Busch, in der Wildnis, da wo beide am meisten aufeinander angewiesen sind. So ist mir denn ein ähnlich inniges Verhältnis auch in der kanadischen Wildnis in den Goldgräberregionen von Yukon begegnet. – Hund, Kastenwagen und Fahrer, eine symbiotische Einheit.

Der Hundefriedhof von Corrigin ist eine einmalige Besonderheit. Er entstand, als „Strike“, der Hund von Paddy Wrights, das Zeitliche segnete. Paddy suchte nach einer Grabstätte für seinen Hund und die Gemeinde erlaubte ihm, Strike an der Stelle, wo heute der Friedhof liegt, zu beerdigen. Dann starb der Hund von Alan Henderson und auch er begrub ihn an dieser Stelle, errichtete sogar einen Grabstein für das Tier. Alan betreute in der Folge diese und alle weiteren Gräber, die später dazukamen, und so entstand nach und nach der Corrigin Hundefriedhof mit inzwischen 80 oder mehr Hundegräbern. Die Gräber selbst sind recht individuell gestaltet und die Texte auf ihnen kommen den Nachrufen für Menschen recht nahe, ein weiterer Hinweis, dass Australier ihren Hund als ein Familienmitglied betrachten und ihn auch so behandeln, über den Tod hinaus.

Am besten gefällt mir der Nachruf für Jedda, die 16 Jahre alt wurde und 1998 verstarb:

„Zur Erinnerung an den großartigsten Hund, der jemals herumgesprungen, sich mit seinem Gebelle wie mit Worten verständlich machen und sogar tanzen konnte. Sie jagte Kaninchen, aber nur, um mit ihnen zu spielen. Sie schwamm hinter den Delphinen her, aber nur, um ihnen ‚Guten Tag‘ zu sagen. Sie schwamm wie ein Fisch, sie tanzte wie ein Pferd. Und nun ist sie am Ende ihrer Reise angekommen!"

Es gibt in Australien eine Webseite  mit Informationen über Beerdigungen etc. Auf dieser Seite findet man auch ein Gräberverzeichnis mit den Namen der in Corrigin bestattenen Hunden und den dazugehörigen Grabinschriften. In einem Annex erläutert der Betreiber die Aufnahme des Hundefriedhofes auf seiner Webseite mit den folgenden Worten:

"Dieser kleine Friedhof, fünf Kilometer außerhalb der Stadt Corrigin gelegen, ist ein Zeugnis des wunderbaren Bandes, das zwischen den Hunden und ihren menschlichen Familien besteht. Das Grab, das mich am meisten berührt hat, war jenes, auf dem einfach stand: ‚Wir hatten sie ganz toll lieb!‘ Ich habe diesen Friedhof in unser Verzeichnis mit aufgenommen, weil die Menschen, die ihren Kameraden hier begraben haben, diesen als einen Teil ihrer Familie betrachteten. Viele der Namen sind inzwischen unleserlich geworden, also schreib uns, wenn dein Liebling hier begraben liegt, aber nicht aufgeführt ist. Ich werde dann gerne seinen Namen mit hinzufügen.“

Inzwischen werden hier auch Katzen begraben, die ihren Herrchen ganz besonders am Herzen lagen.

 

SPW00014

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post