Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
polare-welten.overblog.com

writing, reading, travelling philosophizing, seeking out meaning in natural beauty and human connections,

Auslaufuhren

Altägyptische Auslaufuhr aus Theben, um 1400 v. Chr. - Kopie in Betrieb im Astronom.-Physikal. Kabinett - Staatliche Kunstsammlungen Kassel, Hessisches Landesmuseum

Wenn man schon die Zeit nicht aufhalten kann, so wollen die Menschen sie doch wenigstens messen. Sie erfanden zu diesem Zweck die unterschiedlichsten Methoden. Eine der weniger bekannten Methoden ist die Auslaufuhr. Diese Uhr misst die Zeit mit Hilfe des Wassers. Man spricht deshalb auch von einer Wasseruhr.

Anders als Sonnenuhren, die nur verwendbar sind, wenn die Sonne scheint, kann eine Wasseruhr die Zeit auch nachts angeben. Diese Methode hat dafür aber andere Nachteile, zum Beispiel ist sie nicht anwendbar bei zu kalten Temperaturen, da dann das Wasser gefriert.

Ihrer Natur nach ist die Auslaufuhr, wie die Sonnenuhr auch, eine Elementaruhr, da sie mit Hilfe der Elemente gemessen wird. Dabei ist die Auflaufuhr nur eine Art von Wasseruhren, wenngleich die am häufigsten verwendete.

In Griechenland hießen die Wasseruhren Klepsydren, zu Deutsch die „Wasserdiebe“. Offenbar kannte man schon damals das Phänomen der Zeitdiebe. Wohl waren die Klepsydren die Sündenböcke, die man brauchte, wenn man unklug mit seiner Zeit umging!

Auch bei den Römern waren die Wasseruhren allgemein in Gebrauch, vor allem bei den täglichen Verrichtungen und weil sie weitgehend unabhängig vom Wetter waren, Mit einsetzendem Frost begannen jedoch die Messrohre zuzufrieren und damit wurde die Zeitmessung ungenau. Dann wurden die Gefäße mit Fackeln beheizt oder man ersetzte das Wasser mit Quecksilber, das erst bei -38° C gefriert.

Bei der Auslaufuhr befanden sich an der Innenseite eines Gefäßes Stundenskalen von denen die Stunden abgelesen werden konnten. Das Gefäß wurde mit Wasser gefüllt, das aus einer kleinen Öffnung wieder heraustropfte. Dabei gab es aber noch ein Problem, denn während des Jahreslaufes waren die Tages- und die Nachtzeiten unterschiedlich lang, hatten also mehr oder weniger Stunden. Deshalb bastelte man für jedes Gefäß mehrere Skalen, welche die unterschädlichen Längen der Tag- und Nachtzeiten für jeden einzelnen Monat berücksichtigten.

Meistens verwendete man für die Uhren die Form eines stumpfen Kegels, weil so das Wasser an der Bodenöffnung gleichmäßig ausfließen konnte.

Welche Bedeutung die Wasseruhren zur damaligen Zeit hatten, erkennt man auch an dem Sprachgebrauch, in dem sie eine Rolle spielten. Bei Gerichtsverhandlungen wurden sie verwendet, um die festgelegte Redezeit zu begrenzen. Daher nannte Tacitus die Wasseruhren „Zügel der Beredsamkeit“. Wenn man fließendes Wasser stauen musste, musste man wie bei der Wasseruhr „aquam sustinere“, den Wasserfluss unterbinden. Wenn die Marktweiber auf dem Markt ihre Stunden verplapperten, dann nannten man das „ihr Wasser verlieren“, aquam perdere. Und wenn irgendwo ein Abflussrohr verstopft war, war klar: „Aqua haeret“, das Wasser bleibt hängen, die Ausflussöffnung ist verstopft!

Ausgehend von dem Umgang mit der Wasseruhr wurden diese Ausdrücke also generalisiert und auch auf andere Lebensbereiche übertragen.

 

SPW00009, PA0095

Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post