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Jagen zur Gaudi des Publikums

[caption id="attachment_103" align="aligncenter" width="300" caption="Schloss Moritzburg aus der Ferne"]Schloss Moritzburg aus der Ferne[/caption]

 

Die Wörter "Parforce" und "Pervers" liegen auch in ihrer Bedeutung eng beieinander. Für mich ist die Parforcejagd eine Perversjagd. Töten aus purer Lust ist das Perverse daran.

 

Auf dem Weg nach Dresden, mitten durch die reizvolle Wald- und Teichlandschaft des Friedewalds. Es wird ein wenig romantisch. Ein Dackel fährt mir über den Weg. Der "Dackel" ist eine Schmalspur-Kleinbahn und heißt so: Lößnitzdackel! 1884 wurde die Bahn zwischen den Orten Radebeul und Radeburg gebaut. Von Radebeul gelangt man durch den Lößnitzgrund vorbei an Feldern, Wiesen und Teichen nach Moritzburg. Dort kann man, wenn man will, auf die Pferdekutsche umsteigen, um die Gegend um Moritzburg weiter zu erkunden. Nostalgie pur also.

Wir aber sind mit dem Auto unterwegs. Spätestens als uns die Moritzburg über das Wasser hinweg anlacht, beschließen wir spontan, uns einen Parkplatz zu suchen und dem Schloss einen Besuch abzustatten, bevor wir nach Dresden weiterfahren wollen.

Das Schloss Moritzburg liegt inmitten eines künstlich angelegten Schlossteiches. Man kann es als Wasserschloss klassifizieren, angelegt wurde es ursprünglich aber als Jagdschloss, denn die Wälder um Moritzburg besaßen schon seit Urzeiten einen riesigen Wildbestand. Die Größe der Anlage hat ebenfalls mit dem Wild und der Jagd zu tun.

 

[caption id="attachment_105" align="aligncenter" width="300" caption="Mit der Pferdekutsche rund um Schloss und See"]Mit der Pferdekutsche rund um Schloss und See[/caption]

 

Als die sogenannten Parforcejagden, eine von Frankreich und England her kommende Jagdmethode, in Mode kam, hat man damit begonnen, das Gelände rund um die Moritzburg für solche Parforcejagden herzurichten. Die Parforcejagd stellt höchste Anforderung an Hund, Pferd und Reiter. Dabei wird das Wild bis zur Erschöpfung gejagt und dann erlegt. Der Hof wohnte diesem Schauspiel in Kutschen bei. Folglich wurde ein großes Gebiet benötigt.

Das Dorf Moritzburg hieß ursprünglich Eisenberg und hat sich Ausgangs des 13. Jahrhunderts gebildet. Um das Dorf war Sumpfland, das nach und nach trocken gelegt wurde. So entstanden zahlreiche Teiche und Seen. Ab dem 16. Jahrhundert siedelten sich Fürsten in Moritzburg an und so war die Grundlage für die Entstehung des heutigen Schlosses gelegt.

Vom Ort her gelangt man über die Schlossauffahrt, vorbei an den beiden südlichen Teichhäusern, zum Schloss hinüber. Direkt am Eingang, bevor man die Wärterhäuschen passiert, stehen zwei Obelisken, die mein Interesse geweckt haben. Es handelt sich um sogenannte Kursächsische Postmeilensäulen aus dem Jahre 1730, als die Wege noch mit Postkutschen befahren wurden. Solche Postsäulen sind Meilensteine, auf denen Entfernungen und Gehzeiten bis auf eine Achtelstunde genau angegeben sind. Die Gestaltung der Steine variiert von Ort zu Ort, diese bei der Moritzburg sind zwei besonders schöne Exemplare.

 

[caption id="attachment_106" align="aligncenter" width="225" caption="Kursächsische Postmeilensäule"]Kursächsische Postmeilensäule[/caption]

 

Die heutige Moritzburg erhebt sich auf einer 90 mal 95 Meter großen Terrasse. Der Bau wirkt einheitlich, aber dennoch differenziert. Um das Schloss herum gruppieren sich symmetrisch acht kleine Pavillons. 1730 wurde schließlich der Schlossteich angelegt.

Im Inneren des Schlosses gibt es wertvolle Ledertapeten und Gemälde, meist geht es dabei um die Jagd. Eine große Rothirschtrophäensammlung soll zu besichtigen sein - Wild jagen, Wild erlegen, die Trophäe stolz präsentieren - meine Welt ist das nicht, und so habe ich die Sammlung auch nicht mit eigenen Augen gesehen.

 

[caption id="attachment_107" align="aligncenter" width="300" caption="Aufgang zum Schloss"]Aufgang zum Schloss[/caption]

 

Heute ist Moritzburg ein Anziehungspunkt für Touristen, aber auch für viele Dresdner, die sich hier erholen. Ich weise hierauf hin, denn inzwischen hat sich bei all unseren interessanten Beobachtungen der Hunger eingestellt. Bei den zahlreichen groß aufgemachten Restaurants, deren Aufmachung einem schon beim Anblick das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen - natürlich werden Wild- und Fischspezialitäten angepriesen -, stellt man sich auf eine gemütliche Mahlzeit ein. Doch leider Fehlanzeige. Muffiges Personal und ungewöhnlich lange Bedienzeiten sind ein Wermutstrophen an einem ansonsten wunderschönen Tag in Moritzburg.

 

[caption id="attachment_108" align="aligncenter" width="300" caption="Alter Bus"]Alter Bus[/caption]

 

Einen weiteren Beitrag zu dem Schloss findet sich auch in meinem Blog Europa deine Schlösser - Jagdschloss Moritzburg.

 

SPW00002, BT00071

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